The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Peter hatte schon ein paar Semester Technik auf dem Buckel, als ich mich im Sekretariat für BWL einschrieb. Eigentlich lief schon unsere erste Begegnung nicht besonders gut. Ich hatte gerade meine Schlüssel von der Verwaltung geholt und wollte eigentlich nur mein Zimmer, das ich wenigstens für die nächsten Monate haben sollte, sehen.
«Was willst du?» grunzte mich Peter sofort an, als ich zum ersten Mal klopfte. Ich tat, wie man mir unten gesagt hatte, nannte ihm meine Matrikelnummer und zeigte brav meinen Zimmerschein, als hätte ich es mit einem Kontrolleur der häuslichen Wasserzähler zu tun. Und er verdrehte bloss die Augen.«Und da kommst du JETZT?» fragte er, völlig von der Rolle.
«Na klar.» sagte ich und hielt ihn bereits für einen Idioten, wie er in Shorts und sichtlich verpennt in der Tür hing und den Wisch musterte, den ich ihm unter die Nase hielt. Trotzdem konnte ich nicht umhin, ihn irgendwie sympathisch zu finden. Er passte einfach in das Bild, das ich mir vom zukünftigen Alltag gemacht hatte. Eben kein Alltag sollte es sein. Da war ein trotziger, nicht gerade fest in der Welt verankerter Typ, mit dem man von nun an die Wohnung teilte, genau das Richtige.
Er sagte eine Weile nichts und musterte nur meine Mitbringsel. Zwei große Taschen und ein dicker Koffer voller Bücher. Ich hatte alles dabei, was zum überleben als notwendig erachtete.
«Hast du wenigstens was zu trinken in deiner ganzen Package?»
«Wie? Ich hab eine Flasche Wasser, von der Fahrt, hier im Ru —»
Peter ließ mich nicht einmal aussprechen, winkte ab und fiel mir ins Wort. «Das kann ja wohl nicht wahr sein. Schonmal was von Einstand gehört? Jetzt drehst du dich mal lieber schön um und besorgst was mit Prozenten, sonst wird das hier sowieso nichts.»Es war ein Dienstagmorgen, vielleicht neun Uhr und ich wusste nicht einmal, wo ich die nächste Kaufhalle oder sonst etwas finden würde. Vor lauter Zerren und Schleppen meines Gepäcks, vom Bahnhof bis zum etwa drei Kilometer entfernten Wohnheim, wobei ich regelmässig Pause machte und versuchte, mich in dem wirren Stadtplan zurecht zu finden, in dem nicht einmal die Straßennamen mehr übereinstimmten, hatte ich nicht einmal meine Umgebung im Ganzen wahrgenommen. Meine Sicht hatte sich ausschließlich auf Straßenverläufe, Kurven, Ecken und Schilder beschränkt. Um diese Uhrzeit, noch dazu in einem Jahr, in dem es der Sommer ziemlich eilig in Richtung Süden gehabt hatte, traf ich draußen keine Menschenseele.
Ich kam mir ein wenig hilflos vor und dachte zuerst noch, es wäre ein Spaß. Ich grinste ihn unbeholfen an und griff nach einer der Taschen.
«Lass mal, die deponier ich für dich. Du machst dich besser auf den Weg.» sagte Peter mit einem Blick von oben herab, sowohl in seiner Stimme, als auch in seiner Größe, mit der er mich um gut eine Kopfhöhe überragte. Umso verwirrter machte ich kehrt und ging los.Ich hörte noch, wie er die Tür zuschlug, als ich in den Aufzug stieg und nach unten polterte. Das Ding machte wirklich einen Höllenlärm, sodass es mich wunderte, dass unten angekommen nicht sofort die Tür der gegenüberliegenden Wohnung aufsprang und ich vom nächsten in seiner Nacht- oder Tagruhe, wie auch immer man es nennen wollte, gestörten überempfindlichen angegangen wurde.
Es dauerte fast eine Stunde, ehe ich die gesamte Nachbarschaft durchkämmt hatte und endlich beim Spar-Markt angekommen war. Die zickige Verkäuferin ließ mich noch schier ewig nach meinem Ausweis suchen und grinste die ganze Zeit nur doof, da ich ihn nicht finden konnte. Ich strich mir mehrmals demonstrativ über die Wangen, in der Hoffnung, sie könnte das leise Kratzen meiner Hand auf den wenigen Stächelchen hören. Aber es war nichts zu machen, mein Ausweis war sauber in einer der Taschen verstaut und nicht bei mir. Die zwei Flaschen Korn durfte ich im Markt lassen. Dass ich wenigstens über sechzehn war, ließ sie noch gelten, und so trabte ich halb siegreich mit einigen Flaschen Wein und Pils aus dem Markt in Richtung meiner neuen Wohnung. Ich betonte es gedanklich immer wieder. Meine Wohnung, meine - Wohnung - meine.
Als ich ankam, traf ich auch zum ersten Mal einen Lebenden. Ein Typ im Bademantel fummelte zitternd an seinem Briefkasten herum und brach sich fast die Finger, weil er mit seinen schlotternden Händen das Schlüsselloch nicht traf. Helfen ließ er sich von mir natürlich nicht. Es war mir langsam auch egal. Meine Laune verschlechterte sich sowieso mit jeder Begegnung, die ich machte. Man schien sich gegen alles Neue, vorallendingen gegen die Neuankömmlinge verschworen zu haben. Ich malte mir aus, wie sie während meiner Abwesenheit in dunklen Roben durch die Hausflure pilgerten und kultisch ihren Bann über mich erlassen hatten. Zuerst dieser komische Kerl in meiner Wohnung, meiner, dann diese schrullige alte Kassierin und letztenendes der halb Erfrorene hier draußen. Mit entsprechenden Erwartungen betrat ich also auch wieder den Fahrstuhl der Hölle, um mich nach oben chauvieren zu lassen.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Als ich klingelte, machte mit Peter natürlich nicht auf. Erst jetzt fiel mir auf, dass er ganz selbstverständlich meinen Schlüssel mit dem Rucksack genommen haben musste. Langsam verging mir die Lust am gesamten Tag. Ich klopfte an der Tür. Es passierte nichts. Ich klopfte noch einmal, schon energischer. Aber es rührte sich nichts. Ich hämmerte wie verrückt gut eine Minute lang auf die Tür ein, aber nichts geschah. Nicht einmal eine der benachbarten Türen ging auf. Meine Befürchtungen bestärkten sich.
Drei Stunden später, in denen ich es nicht gewagt hatte, mir vielleicht einen Kaffee zu holen oder eine zu rauchen, sondern stoisch neben der Tür hocken geblieben war und mir dank zugigen Fenstern im Gang den Arsch abfror, bemerkte ich Leben hinter der Tür. Man konnte Tassen klirren hören, gefolgt von einem lauten «Scheisse!», dann war wieder Ruhe. Nach einer Weile raschelte es ein wenig am Schloss und Peter öffnete verschlafen die Tür.
«Alter! Wo warst du denn? Ich hab ewig auf die gewartet, man! Bist du zu doof, um zu klopfen?» sagte er und grinste.
«Jaja.» grummelte ich und schob ihn beiseite, um endlich in die Wohnung zu kommen.
Rechts das winzige Bad, links ein vollgestellter Raum, wahrscheinlich Peters Zimmer, dachte ich und ging weiter. Rechts die winzige Küche, links ein vollgestellter Raum, hinter dessen Tür meine Taschen und mein Koffer hingeworfen lagen, vor mir die Wand.
«Was soll der Scheiss?»
«Ja, hab ein wenig Zeug bei dir abgeladen. Dich gibts schließlich erst seit heute.»
«Wie, seit heute? Ich hab den Kram doch seit gut einem Monat geklärt.», sagte ich stutzig.
«Naja, man, denkst du die sagen mir deshalb Bescheid?»
Es klang nicht gerade logisch, aber in Anbetracht der glänzenden Hilfsbereitschaft dieser Gegend erschien es mir fast schon verständlich. Trotzdem gefiel es mir überhaupt nicht. Peter musste es bemerkt haben.
«Man, komm, hilf mir halt den Scheiss zu mir zu tragen. Dann geht das.»Eine viertel Stunde später konnte ich sogar schon mein Bett erkennen. Wir trugen alles Mögliche in Peters Zimmer. Kisten mit Platten, Kisten voller Bücher, ein noch eingepacktes Regal und allerhand Müll. Wenigstens einen Platz zum Schlafen, das ist die halbe Miete, dachte ich. Eine Möglichkeit zum Schlafen und Essen, mehr wollte ich zu diesem Zeitpunkt schon überhaupt nicht mehr. Ich warf mich auf mein knarksendes Bett und starrte eine Weile die Decke an, bis Peter in mein Zimmer kam.
«Man, du hast das ja echt gemacht?»
«Was?»
«Na was zu trinken besorgt.»
«Hast du doch gesagt.»
«Ja, aber weiß ich denn, ob du das machst?»
«Häh?»
«Ja!»Der Kerl ist total bekloppt, dachte ich. «Aber dass ich mir was zu essen mache, dagegen hast du nichts?» fragte ich sauer. Die Eskarpaden mit dem örtlichen Schnapsverkauf ersparte ich ihm.
Am nächsten Morgen wurde ich früh geweckt. Sehr früh. Mein kleiner Funkwecker zeigte Punkt sieben und ich verstand die Welt nicht mehr. Von draußen dröhnte ein unglaublicher Lärm durch die Wände. An allen Ecken des Hauses schienen Leute damit beschäftigt, es endgültig in alle Einzelteile zu zerlegen. Und direkt neben unserer Tür schienen sie kleine Löcher für bunte Sprengsätze zu bohren. Das Drillen des Bohrer fraß sich tief in meinen Kopf und verbündete sich brüderlich mit dem Kopfschmerz, der darauf gewartet hatte, dass ich meine erste Bewegung machte. Peter und ich hatten am letzten Abend den gesamten flüssigen Inhalt meiner schönen Spar-Einkaufstüte in uns aufgenommen. Er hatte immer wieder betonen müssen, dass man das eben so mache, dass das zum guten Ton gehöre, aber vorallem, dass ich da schon gut reagiert hätte, was mich dann doch ein wenig freute. Zwar vertrug ich alles über die ersten zwei Flaschen Rotwein schon nicht mehr und fürchtete den nächsten Tag, aber, versuchte ich mir in meiner ohnehin schwammigen Wahrnehmung klar zu machen, das gehörte eben dazu.
Peter war Sportler und vertrug eine Menge. Nur keine Störungen am frühen Morgen. Er stürmte aufgeladen wie ein Hochspannungsmast aus seinem Zimmer und brüllte aus voller Kehle. Im Flur saß ein Kerl und bearbeitete die Türschwelle mit einem Stemmeisen. Die Tür hatte er ordentlich mit einem Schlüssel geöffnet. Ein Stück weiter war gerade jemand dabei, mit einem Bohrhammer die Wand zu bearbeiten.
Peter machte ihn sofort an: «Was soll die Scheisse? Was macht dein Kollege denn da? Ist der irre? Und was zum Teufel machst du hier?» Er riss ihn am Kragen in die Vertikale. Der Typ wusste überhaupt nicht, wie ihm geschah und war so perplex, dass er es einfach mit sich machen ließ.
«Renovierung, der ganze Block.» stammelte der Kerl.
Peter interessierte es nicht. «Pass auf. Es ist mir sowas von egal, ob ihr hier renovieren sollt, oder nicht. Ich will schlafen, und mein Kollege im anderen Zimmer erst recht, der kann nämlich noch nichts ab. Also wenn ihr hier vor neun oder zehn nochmal anfangt ungefragt in unserer Bude herum zu hantieren, dann herrscht hier verdammt übles Karma.»Er hob ihn, immer noch am Kragen, vor die Tür, trat mit voller Kraft auf die halb ausgestemmte Schwelle und schmetterte die Tür ins Schloss.
«Penn weiter! Alles geregelt!» rief er mir durch meine Tür hindurch und legte sich ebenfalls wieder hin.
Schlafen konnte ich nicht mehr. Stattdessen öffnete ich das Fenster und legte mich zurück ins Bett. Ich kramte meine Zigaretten heraus. Er hatte unsere Bude gesagt.Die Morgenluft kroch langsam über das Fensterbrett zu mir herüber und legte sich leicht auf die Bettdecke. Ich lehnte mich zurück und zog langsam an der Zigarette. Eigentlich, dachte ich, kann es noch eine ganz lustige Zeit werden.












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